Unser Lesezimmer zurück


Jeden Montag um 12.10 Uhr herrscht ein reges Treiben im Lesezimmer unserer Schule. Geschäftig werden Stofftaschen, Plastiktüten und Schulranzen ausgeräumt, um die gelesenen Bücher zurückzubringen.
Für jedes zurückgebrachte Buch gibt es einen Stempel in den Lesepass. Diese Stempel werden gesammelt und jedes Jahr vor Ostern gezählt, denn der fleißigste Leser wird mit einem Preis belohnt. Anschließend werden die inzwischen gut und aktuell bestückten Regale studiert, es wird ein bisschen in den Büchern geschmökert, die man eventuell ausleihen möchte, oder auch mal gezielt nachgefragt, wenn man ein ganz bestimmtes Buch sucht.

Als ich vor nahezu drei Schuljahren nach Mutschelbach an die Grundschule versetzt wurde und mich an meinem neuen Arbeitsplatz vorstellte und umschaute, wurde das Lesezimmer gerade mit sehr viel Engagement und Liebe von den Eltern eingerichtet. Regale standen schon und ein solider Grundstock an Kinderbüchern war vorhanden. Der Raum wirkte einladend und strahlte eine Gemütlichkeit aus, die zum Verweilen einlud. Noch fehlten die Sitzgelegenheiten, aber schon kurz nach Beginn des Schuljahres 2004 wurden auch diese von den Eltern gebaut und mit bequemen Sitzkissen ausgestattet. Nun mussten die vorhandenen Bücher durchgesehen und sortiert werden. Auch hier waren sofort Mütter bereit, Herrn Rieß und mir zur Hand zu gehen. Bald stellte sich heraus, dass in vielen Büchern die Schulstempel und Ausleihkarten fehlten. Frau von Platen-Müller arbeitete einige Vormittage lang und danach war kein Buch mehr ohne ordentliche Registrierung. Inzwischen hat sich der Bestand an Büchern nahezu verdoppelt. Aktuelle Erzählungen für Kinder, Kinderkrimis, Bilderund Märchenbücher, Tierbücher und viele Sachbücher für alle Altersstufen und Lesefertigkeiten unserer Grundschüler sind vorhanden.

Auch rund um das Lesezimmer gibt es viele Leseaktivitäten. In diesem Schuljahr fand bereits der dritte Lesewettbewerb der Grundschule Mutschelbach statt. Drei Sieger aus jeder Klasse durften während einer kleinen Feier den Mitschülern ihr rKönnen beweisen. In diesem Jahr haben sich unsere Sieger der dritten und vierten Klasse auch mit den Kindern aus Kleinsteinbach messen können.

Ebenso fand manche Unterrichtsstunde, klassen- und fächerübergreifend, in unserem Lesezimmer statt. Zuletzt stellte unsere Praktikantin Frau Reiser gemeinsam mit Marlene May Klarinette und Querflöte für die zweite und dritte Klasse vor. Dies im Anschluss an eine Aufführung von „Peter und der Wolf“ durch das Theater-Spektakel.

In drei Autorenlesungen konnten die Kinder direkten Kontakt mit einem Schriftsteller aufnehmen. Sie durften Fragen rund um das Bücherschreiben stellen, und natürlich fehlen „unsere“ Autoren nicht im Buchbestand des Lesezimmers. So kann man ihre Werke immer wieder ausleihen und nachlesen. Herr Puchelt stellte schon zweimal Neuerscheinungen und Klassiker vor, die man zum großen Teil ebenfalls in den Regalen unseres Lesezimmers finden und ausleihen kann.
Die Drittklässler gestalteten in der Buchhandlung Lettera ein Schaufenster mit ihren Lieblingsbüchern und stellten den Inhalt in Wort und Bild dar.

Ein Wunschtraum für die Zukunft ist es, mittels Internet und Bibliotheksverwaltungsprogramm für Schulen alle Bücher elektronisch zu verwalten. Man hätte dann einen guten Überblick über die Lesevorlieben unserer Ausleiher, der Buchbestand könnte immer aktualisiert werden und säumige Leser wären leicht zu ermitteln. Verloren gegangene Leseausweise und Lesekarten gehörten der Vergangenheit an. Themenweise Bücher für den Unterricht zusammenzustellen ginge schnell und unproblematisch und man könnte sicher sein, alle relevanten und vorhandenen Bücher gefunden zu haben.

Unser Lesezimmer mit all seinen Aktivitäten rund ums Buch wurde zu einer Schnittstelle zwischen Eltern, Schülern und Lehrern. Herzlichen Dank sei hier allen ausgesprochen, die daran mitgewirkt haben, dass dieser Raum entstehen konnte, und die es mit ihrer Spende immer wieder ermöglichen, unseren Buchbestand aufzustocken und zu erweitern. Ebenso den Eltern, die jede Woche bereit sind, durch ihre Hilfe eine geregelte Ausleihe zu ermöglichen.

Ich hoffe, dass dieser Raum auch in Zukunft ein Ort der Begegnung sein wird und mit seinem Ambiente viele Kinder zur Auseinandersetzung mit dem Medium Buch anregt.

Elke Schöffler

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